Das Taiji-Prinzip

Das Taiji-Prinzip beschreibt das Wechselspiel von Yin und Yang im Gleichgewicht und der fließenden Polarität zueinander.
Yin steht zum Beispiel für dunkel und weiblich. Yang steht zum Beispiel für hell und männlich. Entscheidend im Taiji-Prinzip ist jedoch, dass weder Yin noch Yang für sich alleine existieren. Sie gehören immer im Wechselspiel zueinander. Das heißt zum Beispiel, es gibt kein "weiblich" ohne dem verbundenen Gegenpol männlich und umgekehrt.
Yin und Yang im Taiji-Prinzip
Das Taiji-Prinzip in der Anwendung des Taiji Quan folgt in jeder Bewegung dem Yin-Yang Prinzip der Wandlungen. In jeder Bewegung finden wir das Anwachsen einer Energiequalität (z.B. Yang Energie), deren Maximum und den Wechsel zum entgegengesetzten Energieprinzip (z.B. Yin Energie).
Damit Yin und Yang immer verbunden bleiben, dürfen weder Yin noch Yang in ihren Extremen zu 100% anwachsen. Ansonsten zerbricht die gemeinsame Polarität von Yin und Yang. Wächst Yin auf sein Maximum, so beinhaltet es immer noch etwas Yang bevor es wieder zum Yang wird. Wächst Yang auf sein Maximum, so findet sich immer auch noch Yin darin bevor es wieder zum Yin wird. Dies findet sich auch in der klassischen Darstellung von Yin und Yang (siehe Abbildung). Im Yin (schwarz) findet sich immer ein Yang Punkt (weiß) und im Yang (weiß) immer ein Yin Punkt (schwarz).
Das Taiji-Prinzip ist aus der Philosophie des Taoismus entnommen. Das Wesen der taoistischen Philosophie findet sich im I Ging, dem Buch der Wandlungen, beschrieben. Das I Ging gilt als das älteste, erhaltene Lehrwerk in der chinesischen Kultur.
Kurz beschrieben, steht am Anfang "Wuji" (die Einheit). Aus der Einheit entsteht die Zweiheit als Gleichgewicht von Yin und Yang. Das ist "Taiji". Aus Taiji entsteht das fließende Wechselspiel in der Polarität von Yin und Yang. Aus Yin und Yang entsteht die Vielheit ("die 10 000 Dinge") der Welt im Wechselspiel. Aus dieser wechselnden Polarität erklärt die taoistische Philosophie (I Ging) alles Geschehen auf der Welt.
Das Taiji-Prinzip ist das zentrale Prinzip im Taiji Quan
Zum Beispiel:
  • Alle Bewegungen folgen dem harmonischen Naturprinzip des Wechselspiels von Yin und Yang. Zum Beispiel findet nie ein Gewichtswechsel zu 100% vom rechten auf das linke Bein und umgekehrt statt. Typischerweise haben wir eine Gewichtsverteilung von 70% zu 30%.
  • Ein innerer Energiewechsel geht immer mit dem Einleiten eines Gewichtswechsels einher.
  • Wir atmen natürlich, dem inneren Impuls zum Wechsel folgend ein und aus. Das ist das entscheidende Prinzip der taoistischen Atmung und der (ur-)natürlichen Atmung.
Die Vorteile durch das Trainieren von Taiji Quan nach dem Taiji-Prinzip:
  • Die Konzentration auf Körper und Bewegung hilft uns, einen inneren Ausgleich für den Stress unseres Alltags zu finden.
  • Beständiges Üben stärkt unser Qi, die Energie und Lebenskraft für die Herausforderungen des Lebens.
  • Die Bewegungen und Abläufe können mit verschiedenen Schwerpunkten wie z.B. Meditation, Entspannung, Gesundheit oder Kampf je nach Bedarf individuell trainiert werden.
  • Taiji Quan steigert unser Gleichgewichtsgefühl und unsere Koordinationsfähigkeit und damit auch unser Selbstbewusstsein.
  • Die Formen und Seidenübungen stärken und erhalten unsere Muskeln, Sehnen und Gelenke.
Taiji und Taiji Quan
  • Tai bedeutet: "Höchstes, Größtes, Fernstes"
  • Ji bedeutet: "Endgültiges"
  • Taiji ist das "höchste Endgültige", die Balance von Ying und Yang. Es wird näher beschrieben im I Ging, dem Jahrtausende alten Buch der Wandlungen.
  • Quan heißt: Faust bzw. Faustkampf
  • Also bedeutet Taiji Quan sinngemäß: Faustkampf in der höchsten, endgültigen Balance von Ying und Yang.
  • Im Volksmund spricht man vereinfacht oft nur von Taichi / Taiji anstatt korrekterweise von Taiji Quan.